Gedenkstätte

Anstaltsfriedhof - Gedenkstätte I (1962)  - Gedenkstätte II (1988)  - Gedenkstätte III (2017) 

Tor zur Gedenkstätte, 2007Der ehemalige Anstaltsfriedhof wurde 1962 von der Pfarre St. Mariae Himmelfahrt als Ehrenfriedhof und von der Gemeinde Schwalmtal 1988 als Gedenkstätte für die Opfer des nationalsozialistischen „Euthanasie-Programms“ eingeweiht. Die Patenschaft wurde der Hauptschule, heute Europaschule Schwalmtal, übertragen.

Die letzte Beerdigung auf dem Anstaltsfriedhof Waldniel-Hostert fand am 8. Juli 1951 statt. Von 1937 an wurden in der Zeit der Provinzialverwaltung  520 Erwachsene und 99 Kinder bestattet. 70 von ihnen waren Patienten der Mitte 1943 aufgelösten "Kinderfachabteilung". Im Jahr 1944 gab es nur 17 (siebzehn!) Beerdigungen, 8 Erwachsene, 9 Kinder. (Pfarre St. Mariae Himmelfahrt: Gräberverzeichnis)

Gedenkstätte 1

Da die Pfarre St. Mariae Himmelfahrt die Anstaltskapelle seit 1947 als Kirche nutzte, war es verständlich, dass man 1958 vom Bund den nicht mehr gepflegten Friedhof zur eigenen Nutzung erwarb. Jedoch stellte sich dann heraus, dass er „überbelegt“ war und wegen der Einhaltung der Ruhefristen keine Beerdigungen vonseiten der Pfarre vorgenommen werden durften. Daher wurde 1962 die Friedhofsparzelle mit großem Aufwand als Ehrenfriedhof gestaltet und ein Hochkreuz als Ehrenmal errichtet. Totensonntag 1962 wurde die Gedenkstätte eingeweiht.

Nachdem 1978 eine neue Pfarrkirche an der Waldnieler Heide eingeweiht worden war, bemühte sich der Kirchenvorstand, den ehemaligen Friedhof durch Verkauf oder Tausch los zu werden. Das Hochkreuz wurde abgebrochen, der Amtsarzt des Kreises gab 1979 grünes Licht zur Entwidmung, aber es fand sich kein Interessent.

1980 wurde das Hochkreuz im Pfarrgarten hinter die neu erbaute Kirche wieder aufgebaut. Zwei Jahre später wurde es mit zwei Gedenktafeln versehen. Eine erinnert an das Leiden und Sterben der geistig Behinderten in der Anstalt: „Den unschuldig Ermordeten, St. Josefsheim Hostert, 1939-1945“.  

Gedenkkreuz, Tafel von 1982
Gedenkkreuz Waldniel-Hostert, Tafel von 1982

Gedenkstätte 2

Anfang 1986 beschloss der Jugend-, Kultur- und Sozialausschuss der Gemeinde Schwalmtal einstimmig auf einen Bürgerantrag hin, diesen mittlerweile entwidmeten  Friedhof von der Pfarre zu pachten und als Gedenkstätte für die Opfer der „Nazi-Euthanasie“ herzurichten. Die Patenschaft für die entstehende Gedenkstätte wurde Anfang 1987 der Hauptschule Schwalmtal, heute Europaschule, auf ihren Antrag hin übertragen.

Die Schüler der 9b beteiligten 1987 sich mit großem Einsatz an den Arbeiten zur Herrichtung der Gedenkstätte. Zusammen mit ihrem Klassenlehrer Peter Zöhren machten sie sich in Klasse 10 daran, die Geschichte der Anstalt und ihrer Bewohner zu erforschen. Daraus entstand zunächst Frühjahr 1988 im Rahmen einer Projektwoche eine Plakatwand, die im Bürgerhaus der Gemeinde und dann auch im Kreishaus in Viersen der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
In demselben Jahr wurde die reich bebilderte Broschüre über die Anstalt in Hostert, die Arbeit der Franziskaner, die „Kinderfachabteilung“ und das „Euthanasie-Programm“ der Nazis gedruckt. Das Heft wurde 2005 im Heilpädagogischen Zentrum Krefeld-Kreis Viersen neu aufgelegt. Die Broschüre ist zu einem Preis von 2 € zu beziehen beim Autor (s. Impressum), beim Bürgerservice im Rathaus und in der Hauptschule, Schulstr. 50.

Am Eingang zur Gedenkstätte informiert eine Bronzetafel den Besucher:

Bronzetafel an der Gedenkstätte, 1988
Bronzetafel, Gedenkstätte Waldniel-Hostert, 1988

Die Inschrift auf dem Kissenstein "Den unschuldigen Opfern" ist den kleinen und großen Patienten gewidmet, die in Waldniel-Hostert gestorben sind bzw. in der Kinderfachabteilung ermordet wurden.

Gedenkstein, 1988
Gedenkstein, Gedenkstätte  Waldniel-Hostert, 1988

Am 26. November 1988 wurde die Gedenkstätte in einer Feierstunde, begleitet von Presse und Fernsehen, der Öffentlichkeit übergeben. Den musikalischen Rahmen gestaltete ein Bläserensemble unter Heribert Prell. Anwesend waren zahlreiche Bürger, Mitglieder des Gemeinderates und der Verwaltung, der Lebenshilfe Viersen, Heinsberg und Neuß, des Arbeitskreises Hephata, Mönchengladbach, Schüler der zehnten Klassen der Hauptschule und die bereits entlassenen Schüler des Jahrgangs 87/88, die Schulleiter der Schwalmtaler Schulen und der benachbarten Windsor-School (bislang Kent-School). Hubert van Horrick begrüßte als Schulleiter der mit der Patenschaft betrauten Hauptschule namentlich Bürgermeister Jacobs und Gemeindedirektor Hutzler, Pastor Goedeking, Pastor Koerschgens, den leitenden Arzt Dr. Poeppe und den Verwaltungsdirektor Müller der psychiatrischen Klinik des LVR in Viersen-Süchteln, den Vorsitzenden des Landesverbandes der Lebenshilfe für geistig Behinderte Speck und Schulamtsdirektor Smets. Auszüge aus den Ansprachen von Bürgermeister Jacobs, Pastor Goedeking  und dem Landesvorsitzenden Speck finden sich im Archiv, Fotos in der Galerie.

Gedenkfeier, 2006
Gedenkstätte Waldniel-Hostert, 27. Januar 2006

1996 regte der damalige Bundespräsident Herzog an, den Tag der Befreiung von Auschwitz als Gedenktag für die Opfer des Nazi-Terrors zu begehen. Am 27. Januar gedenken seitdem Schüler und Lehrer der Hauptschule Schwalmtal alljährlich auf der Gedenkstätte Hostert in einer öffentlichen Gedenkstunde der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, insbesondere der in der Kinderfachabteilung Waldniel ermordeten kleinen Patienten (Weiteres unter Archiv). 

Pfarre St. Mariae Himmelfahrt, Dr. Besgen, 2004
Ehrendomherr Dr. Besgen, Gedenkstätte waldniel-Hostert, 2004

Die Pfarre St. Mariae Himmelfahrt hält ebenso die Erinnerung wach, indem sie jedes Jahr Fronleichnam auf  der stillen Stätte feiert.


Gedenkstätte 3

Durch die Bemühungen des überregionalen "Arbeitskreises zur Erforschung der NS-"Euthanasie" und Zwangssterilisation", der am 12. April 2012 Hostert besucht hatte, sah sich der LVR als Rechtsnachfolger der Provinzialverwaltung in der Pflicht, sich bei der Weiterentwicklung  des Opfergedenkens in Waldniel-Hostert zu engagieren. Da eine Nutzung der heute baufälligen ehemaligen Anstaltsgebäude der Kosten wegen verworfen werden musste, sollte die seit 1988 vorhandene Gedenkstätte in Zusammenarbeit mit den zuständigen Gremien bzw. engagierten Personen  vor Ort "weiterentwickelt" werden. Nach dem Beschluss des Landschaftsausschusses vom 24. Mai 2016 werden 335.000 Euro in die Hand genommen, um den prämierten Entwurf der Wiener Arbeitsgemeinschaft Struber/Gruber zu realisieren. Mit dem Beginn der Bauarbeiten, Mauer, Ossuarium, Weg, ist wegen der notwendigen Ausschreibungen voraussichtlich erst im Frühjahr 2017 zu rechnen (Stand Juni 2016).

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